Hamburg. Am 22. April 2025 feierte das Komponistenquartier 10. Jubiläum. Zum
Festakt „KQ10“ richtete der Hamburger Senator für Kultur und Medien einige Worte
und der international gefeierte Komponist Leon Gurvitch stellte sein Stück „Duell“
vor.

Nach der Osterfeier ist vor dem Festakt – aufregender hätte die neue Arbeitswoche gar nicht beginnen können: herrlichstes Wetter, ein klarer blauer Himmel noch mitten am Abend über dem Hamburger Rödingsmarkt und strahlender Sonnenschein. Die perfekten Ausgangsbedingungen, wenn das Komponistenquartier in Hamburg sein zehntes Jubiläum feiert.
Wenn ein international gefeierter und preisgekrönter Komponist und Pianist wie Leon Gurvitch mir erzählt (und allen anderen auf diesem Wege im Interview hier auch), dass er für das Jubiläum des Komponistenquartiers Hamburg, der Ruhmeshalle namhafter Komponisten wie
- Georg Philipp Telemann (1681-1767)
- Carl Philipp Emanuel Bach (1714-1788)
- Die Geschwister Fanny und Felix Mendelssohn (1805-1847 und 1809-1847)
- Gustav Mahler (1860-1911)
- Johann Adolf Hasse (1699-1783) und
- Johannes Brahms (1833-1897),
das Stück “Duell” komponiert hat und vorstellen wird und auch der Hamburger Senator für Kultur und Medien, Dr. Carsten Brosda, diese Feierlichkeit mit seiner Anwesenheit ehren wird, dann lasse ich mir sowas selbstverständlich nicht entgehen. Ein randvoller Lichtwarksaal erwartete sonnigen Gemüts entsprechend der durch die Fenster eintretenden Sonnenstrahlen dieses besondere Stück, von dem Gurvitch sagt, dass jede Note ihm durch Herz und Kopf gegangen ist. Doch zuvor demonstrierte Leon Gurvitch mit einem harmonischen, melodischem und tiefgehenden Stück, dass er zu Recht wie die sieben oben genannten Komponisten, die das Komponistenqartier geprägt haben, in die Geschichte der Komponisten eingehen wird.

Der Weg zum großen Spektakel “Duell” steigerte sich wie eine exzellente Dramaturgie: Nach dem einleitenden musikalischen Auftakt von Leon Gurvitch am Klavier folgte eine Begrüßung des Vorstandsvorsitzenden des Komponistenquartiers, Dr. Manfred Georg Bullinger. Im Anschluss bekam der Kultur- und Mediensenator Dr. Carsten Brosda das Wort. Wobei “Grußwort” wohl ein eher bescheidener Begriff für die rhetorisch exzellente Rede des Politikers war. So gab er einen Exkurs in den politischen Debattenalltag, den Haushalt für Kultur und Medien gegen den Verteidigungshaushalt “verteidigen” zu müssen, philosophierte über die Belegbarkeit prägender Zitate, von denen er sich schlussendlich doch auch bediente, aber vor allem traf seine damit Rede inhaltlich den Kern der freudig erwarteten Uraufführung “Duell”. In seiner Ehrung an Leon Gurvitch zitierte Brosda noch Victor Hugo: “Wenn ein Musiker etwas in Worten ausdrücken könnte, würde er sich nicht die Mühe machen, es mit Musik auszudrücken”. Er verdeutlichte vor allem, dass in einer Welt, die zur Zeit verrückt spielt, es wichtig ist, mit Kunst und Kultur den menschlichen Geist zu stärken. Die Rede von Dr. Brosda mit Anspielung auf das Werk “Duell” trifft den Nerv der heutigen Zeit mit den aktuellen Geschehnissen und dieses geht unter die Haut.



Bevor es zu dem lang ersehnten Stück kam hielt Prof. Dr. Wolfgang Hochstein nicht nur eine Festrede über 10 Jahre KQ mit Rückblick und Ausblicke, sondern stimmte das Publikum voll mit “Freunden und Förderern” der Einrichtung musikalisch mit dem “KQ-Rap” am Klavier ein. Nach der Uraufführung stellte Dr. Friederike von Cossel die neue Familienmedienspur ein und hat zum Erproben eingeladen, im Museum sein eigenes musikalisches Stück zu komponieren und dieses so auch zu erkunden. Und was wäre ein Festakt ohne anschließenden Getränkeempfang mit Snacks, bei dem anregende Gespräche entstehen?
“Die Intensität, Power und spürbare Leidenschaft lassen alle seine Stücke kurzweilig wirken, von denen man am liebsten ununterbrochen eine Zugabe hätte.”
“Duell” ist eine Komposition, bei der Gurvitch bewusst auf einen eigenen Auftritt an seinem Instrument verzichtet hat. Das Klavier spielt normalerweise eine zentrale Rolle in Gurvitchs Stücken. Doch für “Das Duell” hat er die musikalische Leitung übernommen und hat stattdessen als Dirigent agiert. Das Werk wurde für eine “außergewöhnliche” Besetzung komponiert: Violine (Andrei Prokazin), Viola (Juhee Lee), Violoncello (Eloy Medina), Harfe (Álmos László Tallós) und Tromptete (Andriy Ilkiv). Das Stück ist wie der Komponist selbst sagt, kurz aber intensiv. Diese Intensität war vollumfänglich zu spüren, als harmonische Melodien auf tosende Rhythmen getroffen haben und einen unerwarteten aber spannenden Effekt erzielt haben. Gurvitch wollte nicht nur, er hat meisterhaft Baroque und Moderne musikalisch einen aufregenden Wiener Walzer tanzen lassen. Aber das ist es, was die Stücke von Leon Gurvitch so einzigartig machen: Die Intensität, Power und spürbare Leidenschaft lassen alle seine Stücke kurzweilig wirken, von denen man am liebsten ununterbrochen eine Zugabe hätte. “Duell”, so Gurvitch wurde inspiriert von dem Duell zwischen Georg Friedrich Händel und Johann Mattheson. Die Geschichte von dem Duell zwischen zwei Komponisten faszinierte ihn so sehr, dass er die Motive beider Opern der Komponisten gründlich erforschte und ein Werk basierend darauf herangereift ist.


Das KomponistenQuartier, kurz KQ, in der Nähe der Hamburger Michaeliskirche zwischen der Neanderstraße und der Peterstraße wurde als Erweiterung zum Brahms-Museums erbaut und durch die Carl-Töpfer-Stiftung gefördert. Tagtäglich lebt das Museum für Komponisten durch seine zahlreichen Ehrenamtlichen, die das Geschäft am Laufen halten. Es ist den Trägern umso mehr eine Herzensangelegenheit gewesen für Spenden aufzurufen, sowohl für das Komponistenquartier, welches die Coronapandemie überlebt hat, als auch für das nach Johann Adolf Hasse benannte Hasse-Haus in Bergedorf. Dieses gilt als Wahrzeichen des Bezirks in Hamburg-Ost. Zu den größten Sponsoren des Komponistenquartiers gehört die Bucerius Stiftung der ZEIT.
In diesem Sinne: Ein Prosit auf (mindestens) zehn weitere Jahre für das Komponistenquartier und immer wunderschöne Kompositionen von Leon Gurvitch, die unter die Haut gehen!

Love, Johanna