Interview Mit Dorothee Martin: “Je mehr ich in die Politik eingetaucht bin, desto mehr hat es mich weiterhin gefesselt!”

Hallo meine lieben Leser,

zur Europameisterschaft kleidet sie sich stylisch und passend in schwarz-rot-gold – zu einem Event im Rathaus in einem bodenlangen Abendkleid wie eine Märchenprinzessin, ihr Facebook-Profil gefüllt mit Sprüchen über Katzen, Kaffee und Schuhe, wie man es normalerweise von Fashion-Bloggern kennt, und sie gilt als Hamburgs digitalste Abgeordnete. Dorothee Martin (39) zeigt uns, dass Frauen ab 39 „unwiderstehlich“ sind und Politik alles andere als ein trockenes Geschäft. Im Interview erzählt sie von ihrer Vorliebe zu Mode und Lifestyle, ihrer politischen Laufbahn und ihrem Leben hinter den Kulissen der Politik

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Ein Spruch aus Dorothees Sprüchekiste

Persönlich habe ich Dorothee Martin erst kürzlich auf einer Veranstaltung der Jusos Hamburg-Nord vor ungefähr einem Monat kennengelernt. Einige Zeit zuvor hatte ich sie auf Facebook hinzugefügt. Aufgefallen war Dorothee Martin mir aber bereits zu meiner Zeit als politische Praktikantin vor sechs Jahren. Zu dieser Zeit hatte ich nur einen Gedanken: “Diese Frau muss ich eines Tages persönlich kennen lernen!”, in der Bestimmtheit, dass sie und ich uns gut verstehen würden. Warum ich diesen Gedanken hatte? Weil man Dorothee bereits an ihrem Profilbild für die Bürgerschaft angesehen, dass sie einen jugendlichen Geist hat und sich aus der allgemein bekannten grauen Politik abhebt.

Heute treffe ich die Bürgerschaftsabgeordnete und Bundestagskandidatin für Hamburg Nord, Dorothee Martin, im Café Paris am Rathaus in Hamburg. Trotz ihrer zahlreichen Termine anlässlich des Wahlkampfes zur Bundestagswahl 2017 im September hat die Politikerin Zeit für ein Interview mit mir – oder nimmt sich Diese zumindest. Die Wahl des Cafés spricht bereits für Dorothees guten Geschmack, das Café Paris gehört nicht nur zu meinen Lieblingscafés, sondern ist auch das Angesagteste im Herzen der norddeutschen Metropole. Eine weitere positive Bestätigung konnte ich über ihr Outfit geben: ein knallroter Blazer über einer weißen Bluse und zu einer schwarzen Hose. Wir waren wahre Style-Zwillinge an einem Tisch.

Noch bevor wir den Kaffee bestellt haben gab es etwas wichtigeres vorweg: Dorothee gratuliert mir zu einem erst kürzlich eingetroffenen wichtigen Ereignis. Ich war selbst erstaunt, dass sie sofort Bescheid wusste. Ihre Aufmerksamkeit spricht für ihre Liebe zu Menschen, zumal sie mich bei unserem ersten Gespräch auch gleich zuordnen konnte.

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Foto: Fall4Me

Fall4Me: Seit 19 Jahren bist du in der Politik und seit sechs Jahren Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft. War es schon immer dein Ziel, in die Politik zu gehen?
Dorothee Martin: Ein Ziel hatte ich nicht, als in die Politik gegangen bin. Es war eher das Interesse. Ich hatte nette Jusos kennengelernt, durch die in damals eingetreten bin und habe immer weitergemacht und weitergemacht. Je mehr Einblick ich bekommen habe, umso spannender fand ich das! Ich habe zunächst klassische Juso-Arbeit gemacht, das heißt ganz viel Kommunalpolitik. Dann bin ich 2008 in die Bezirksversammlung gekommen und dann war die Situation, dass die Koalition zwischen Schwarz-Grün zerbrach auf Landesebene im Oktober 2010. An den Tag erinnere ich mich noch ganz gut, weil ich mir vorgenommen hatte ein paar Tage nach Usedom zu fahren. Ich habe im Radio gehört, dass die Koalition zerbrochen ist und dann sollten in drei Monaten die Neuwahlen sein. In dem Moment war für mich klar “was mache ich jetzt?”, wenn ich jetzt sagen würde “ich will”, dann muss ich ganz schnell sein. Mich hatte dieser Gedanke total gereizt, einfach noch mehr Politik zu machen und insofern habe ich mich um dieses Mandat beworben und hatte erst die parteiinterne Aufstellung gewonnen und dann auch den Wahlkreis. Insofern ist das Ganze seit sechs Jahren jetzt “professioneller” und jetzt habe ich auch ganz klar das Ziel, im Bundestag weiterzumachen. Zusammenfassend kann ich sagen: Je mehr ich in die Politik eingetaucht bin, desto mehr hat es mich weiterhin gefesselt!

“Ich bin Hamburgerin aus Leidenschaft!” 
– Dorothee Martin

Mit welchem Ziel bist du damals in die Politik gegangen?
Das Ziel ist – wie ich es beantwortet hatte als ich auf einer Podiumsdiskussion gefragt wurde, warum ich mich ausgerechnet für Hamburg entschieden habe: Ich bin Hamburgerin aus Leidenschaft! Es ist wirklich, weil es ganz toll finde, für diese Stadt und für die Menschen, etwas zu bewegen, mit zu entscheiden und mitzureden. Das kannst du eben in einer repräsentativen Demokratie in einem Verein und Verbänden auch, aber das Meiste findet in der Politik statt, was du gestalten kannst. Dadurch, dass wir in Hamburg seit sechs Jahren regieren dürfen ist es schon ziemlich toll!

Hättest du dir damals vorstellen können, für den Bundestag zu kandidieren?
Never ever!
Das hat ich erst später ergeben.

Wie sieht dein Alltag als Abgeordnete der Hamburgischen Bürgerschaft aus?
Oh, der ist extremst vielfältig und eingerahmt wie die Bürgerschaftswoche aussieht: wenn es eine Parlamentswoche ist gibt es montags Fraktionssitzungen, mittwochs Bürgerschaftssitzungen, teilweise noch Ausschusssitzungen – gestern habe ich z.B. eine Rede gehalten und Diese geschrieben. Dann gibt es wiederum Wochen, in denen es keine festen Ausschusstermine gibt, dann machst du ganz normale Büroarbeit, bearbeitest Bürgeranliegen, hast viele Parteitermine… jeder Tag ist anders.

Hat man bei so vielen Terminen noch Zeit für anderweitige Interessen und Hobbies? Wenn ja, welche sind es bei dir?
Ein richtiges Hobby, dass ich z.B. sage, ich gehe reiten, habe ich nicht, nein. Ich versuche ein bisschen Sport zu machen, ich versuche im Rahmen der Möglichkeiten meine Freunde zu treffen und Zeit mit einem Freund zu verbringen, der unter der Woche auch nicht in Hamburg arbeitet, sondern in Düsseldorf. Ich bin ganz ehrlich, wenn ich mal nichts zu tun habe, bin ich der US-Serien-Junkie. Ich kann fünf Folgen am Stück zum hundertsten Mal Sex And The City gucken, House Of Cards oder Homeland – ich habe alle Staffeln – wunderbar! Es gibt nichts schöneres!

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Dorothee Martin auf einem Event im Hamburger Rathaus. Foto: Facebook

Wurdest du im Laufe deiner Karriere schon mal mit dem Vorurteil konfrontiert, dass Politik nicht mit kreativen, bunten Vorlieben kompatibel sei?
Nee, gar nicht! Da muss ich sagen, ich war lustigerweise gestern in der Bürgerschaft und hatte eine schwarze Hose an und eine gold-glänzende Strickjacke, die hatte ich mir übergeworfen. Ich kann dir gar nicht sagen wie oft ich gestern auf diese Jacke angesprochen wurde [lacht]. Aber, nee, eigentlich nur positiv. Es hat mir noch keiner gesagt “um Gottes  Willen, du bist zu bunt oder zu locker unterwegs”. Ich glaube in Hamburg ist man da doch liberal auch durch unsere Bürgerschaftspräsidentin, die auch sehr bunt und modisch anläuft, fällt das nicht weiter auf. Vielleicht ist es in der Kleinstadt noch ein wenig anders. 

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Dorothee Martin am 26.04.17 in der Hamburgischen Bürgerschaft mit der gold-glänzenden Strickjacke

Wenn deine potentiellen Wähler dich fragen würden, mit welchen drei Worten würdest du dich beschreiben? Was zeichnet Dorothee Martin aus? Was hat sie was andere Politiker nicht haben?
Mich zeichnet aus, dass ich sehr neugierig bin – im positiven Sinne – dass ich unglaublich wissbegierig bin und neue Dinge gerne lerne und sehe, dass ich Menschen mag und dass ich sehr pragmatisch bin. Ich glaube wenn du Menschen nicht magst oder nicht gerne mit ihnen umgehst, dann hast du in der Politik nichts zu tun!

“Wenn du Menschen nicht magst oder nicht gerne mit ihnen umgehst, dann hast du in der Politik nichts zu tun!”
– Dorothee Martin

Du giltst als Hamburgs digitalste Politikerin, bist du auch privat ein Social-Media-Mensch?
Ja schon, mir wird des Öfteren auch gesagt, ich möge doch bitte mal das iPhone zur Seite legen. Es gibt auch ganz ganz wenige Zeitungen, die ich noch in Papierform in die Hand nehme. Für mich ist das in erster Linie Informationsquelle, auch Inspiration für vieles und dann natürlich um mit Leuten in Kontakt zu bleiben, sich zu organisieren und auszutauschen, insofern ja definitiv! Auch wenn ich Urlaub mache sage ich immer nur, ich brauche meine Kreditkarte und mein Smartphone, mehr brauche ich eigentlich nicht. Es gibt so viele Möglichkeiten und es erleichtert auch so viel.

Dorothee Martins Netzwerke: Homepage, Facebook, Instagram, Twitter, YouTube.

Wie sehen deine Pläne für die nächsten Monate bis zur Bundestagswahl aus?
Wahlkampf, Wahlkampf, Wahlkampf! Darauf ist das ausgerichtet, diese Wahl zu gewinnen und ich hoffe, dass es klappt. Insofern ist das im Moment der einzige Plan. Eine Woche Urlaub noch mit ganz vielen Freunden im Mai und das ist es.

Was kannst du dir vom Leben noch wünschen?
Das hört sich immer so banal an, aber es stimmt wirklich, dass man weiterhin gesund bleibt, dass es immer Menschen an meiner Seite gibt, die mich mögen und so offen sind mich auch zu kritisieren, wenn es nötig ist, und dass ich endlich mal nach Afrika komme!

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Dorothee Martins Outfit zur EM. Foto: Facebook

Über das Interview hinaus erzählte mir Dorothee Martin, dass sie schon fast überall gewesen ist – nur nicht in Afrika. Sie war u.a. bereits in Estland, was meine persönliche Begeisterung sehr geweckt hatte. Wir sprachen noch über private Themen und sie drehte den Spieß um und hat mich über gewisse Ereignisse gefragt. Dann musste sie auch schon zum nächsten Termin, der glücklicherweise nicht weit weg war.

Am Ende hatte Dorothee Martin noch eine wichtige Mitteilung für alle Leser dieses Blogs:

Vielen Dank für das großartige Interview und den tollen Nachmittag!:)

Love, Johanna

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